Sportreporterlegende: Trauer um Michael Kuhn
22.07.2026
Michel Schuen über seinen "Lebensbegleiter und Lehrmeister"
Michael Kuhn war für mich sozusagen Lebensbegleiter. In meiner Jugend als Stimme bei TV-Übertragungen, sei es bei Weltcuprennen (man denke an den Sieg von Franz Klammer in Kitzbühel 1984 nach langer Pause) oder bei Fußball-Spielen (wie Toni Polsters Hattrick bei der erfolgreichen WM-Qualifikation gegen die DDR in Wien).
Später war er Sportchef der Kronen Zeitung. Insofern hatte ich nie das Vergnügen, mit ihm direkt zusammenzuarbeiten. Kennenlernen durfte ich ihn sehr wohl, als Präsident von Sports Media Austria, der Vereinigung, die er nach dem Tod von Pepi Strabl zusammen mit Generalsekretär Josef Langer geprägt hat. Irgendwie bin ich dann ja zur Ehre gelangt, der Nachfolger seines Nachfolgers zu sein.
Was ich immer geschätzt habe: Seine joviale Art, seine Höflichkeit, seine Noblesse, seine Gutherzigkeit. Nie war Michael Kuhn aufbrausend, oft konnte er mit seinen humorigen Bemerkungen aber zwischen den Zeilen schonungslos offen sein. Nie aber war er beleidigend.
Michael Kuhn ist in all den Jahrzehnten zu einer wahren Institution im österreichischen Sportjournalismus, aber auch im österreichischen Sport geworden. Die größten österreichischen Sportlerinnen und Sportler zählten zu seinen Freunden, kamen, wenn er zusammen mit Ehefrau Helag zu diversen Festen rief.
Wer Michael Kuhn auch auf internationalem Parkett erleben durfte, wie ich, weiß: Er war respektiert, rund um den Erdball. Doch er nahm auch das mit Humor, erzählte einmal, als ihm der damalige IOC-Präsident Thomas Bach eine Ehrung fürs Lebenswerk überreicht und kommentiert hatte mit: "Wer außer Ihnen hätte sich diesen Preis verdient?" mit einem charmanten: "Der kennt mich ja gar nicht..." Auch seine eigene Behinderung, ihm fehlte die linke Hand, nahm er stets mit Humor, immer mit Augenzwinkern und scherzte auch darüber.
Nun hat mich die Nachricht ereilt, dass Michael Kuhn in seiner "Zweitheimat", seiner Sommerwohnung am Wörthersee, verstorben ist. Er möge in Frieden ruhen. Es war wahrlich eine Ehre, mit ihm arbeiten zu dürfen, ihm lauschen zu dürfen, lernen zu dürfen. "Michl", wie ihn alle nannten, wird fehlen.

